Erfahrungen von Klient*innen im CoachingSchreiben


»Es ist paradox, dass ich etwas festhalten muss, bevor ich es loslassen kann.« Hier schreiben meine Klient*innen und illustrieren die Methodik des CoachingSchreibens mit ihren eigenen Texten.

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Wochenbericht: Mein ganz persönlicher Jakobsweg zu mir selbst

»Ja, es ist ein bewegender, aufwühlender und klärender Pfad, auf dem ich mich befinde... mein ganz persönlicher Jakobsweg zu mir selbst. Herausfinden, wer ich wirklich bin, wenn ich mich nicht mehr verbiege, um es anderen recht zu machen... «

»Es bewegt sich was, das Tempo ist etwas anders als erwartet (eigentlich weiß ich gar nicht, welches Tempo ich erwartet habe), aber es fühlt sich nicht verkehrt an. Es geht weiter.«

»Ich gehe meine Versagensängste jeden Tag mit Disziplin an, denn tief drinnen weiß ich, dass ich noch da bin. Ist wirklich jeden Tag ein kleiner Kampf, aber ich schaffe das...«

»Mehr gibt es diese Woche nicht zu berichten. Es geht weiter voran, da bin ich sicher. Ich weiß auch, dass der Weg zurück in die alten Muster verbaut ist, denn dazu bin ich schon zu weit gegangen. Und mit dieser Erkenntnis halte ich mich im Moment oben.«

Logbuch: Durch mein Aufschreiben wahre ich Distanz zum Geschehen

»So. Das war jetzt ein bisschen von meinem Tag. Und so ein Tag passiert nahezu jeden Tag. Hat es mir jetzt geholfen, das alles zu notieren? Wird sich vielleicht erst in einer Zeit herausstellen. Auf jeden Fall floss es mir leicht aus der Hand. (…) Vielleicht kann ich es so ausdrücken: Es hilft mir ein wenig, die Distanz zu wahren. Nicht absorbiert zu werden. (Wichtiger Satz.) Nicht so involviert zu sein. Es nicht persönlich zu nehmen. Involviertheit: Darin bin ich groß. Aber jetzt mal Distanz wahren, das wäre doch mal ein Schritt. Durch mein Aufschreiben wahre ich Distanz zum Geschehen.«

»Erstaunlich, welch Relevanz dieses Schreiben für mich hat. Ich gebe zu, es ist gerade eine Sucht. Ich würde am liebsten nichts anderes machen. (Das) soll ausdrücken, dass da gerade ein großer Wille ist. Vor allem möchte ich so gerne diese grobe Historie, vor allem solch Schlüsselmomente zu Papier bringen. So lange habe ich gehadert, wie ich es angehe (…). Und wer weiß, was am Ende ist. Ob am Ende überhaupt irgendwas ist? Es ist ja schon die ganze Zeit irgendwas.«

»Ich habe zwischendurch immer wieder mal zurückgeblickt, viel jedoch aus dem Hier und Jetzt geschrieben. Ich bin mir sicher, es wäre ein weiterer wichtiger Schritt, auch die Vergangenheit deutlich mit einzubeziehen, ihr einen Raum zu geben. Aus der Sicht des Jetzt.«

Blick in die Zukunft: Das Schreiben bringt mich in Kontakt und in die Auseinandersetzung mit mir selbst

»NUN DER BLICK VON INNEN: Was sehe ich in meinem Kopf, wenn ich am 27. Mai 2027 dort spazieren gehe? Zunächst sehe ich, dass das Schreiben einen wichtigen Teil in meinem Leben hat. Meine Schreibe wird inhaltlich, methodisch und stilistisch überhaupt nicht mehr dadurch bestimmt, was andere von mir erwarten. Das war in früheren Jahren oft der Fall. Die Themen, die ich heute bearbeite, die Fragen, die ich heute beantworte, sind Themen und Fragen, die mich interessieren. Ob diese Themen und Fragen auch andere Menschen interessieren, ist für mich nicht unwichtig, spielt aber für meine Entscheidung, ob ich mich damit intensiv beschäftigen möchte, keine Rolle.

Das Schreiben ist für mich ein wichtiges Werkzeug meiner Persönlichkeitsentwicklung und damit für meine Selbstverwirklichung. Das Schreiben bringt mich zunächst in Kontakt und in die Auseinandersetzung mit mir selbst (mit meinen Ideen, Überzeugungen, Abneigungen ...). Ich verfolge nicht nur das Ziel, mich selbst zu entwickeln, sondern ich bin jetzt auch innerlich tief motiviert, dieses Ziel zu erreichen, weil ich meine Themen und meine Fragen suche, finde und bearbeite.

Diese Entwicklung ist mit einer interessanten Erfahrung verknüpft: Indem ich mich selbst entwickle, gelingt es mir (besser und effektiver als früher), auch andere Menschen zu erreichen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Das lebendige Vorbild wirkt weitaus stärker als belehrende Argumente. Und dieser Effekt strahlt auch wieder auf mich zurück. Ein Geben und Nehmen. Es geht mir um die Sehnsucht, um die Lust am Selbstdenken, am Selber‐Durchdenken, am Selber-Entscheiden. Eine Lust am Entwickeln (eigener) Strategien für das Selberdenken. Das ist für mich attraktiv. In meinen vielen Hochschuljahren habe ich gelernt, den Studies keine Wissenspakete mehr vorzusetzen, um sie dann aufzufordern, „dass müsst ihr jetzt draufhaben“. Mehr und mehr habe ich gelernt, den Studies methodische Möglichkeiten aufzuzeigen, die sie im Rahmen der Lehrveranstaltungen anwenden konnten, um Themen und Standpunkte selbst zu erarbeiten und selbst zu durchdenken. Aber auch, um ihre Themen und Fragen zu finden. Die Studies konnten sich damit etwas erarbeiten, mit dem sie Einfluss auf ihr (Berufs--‐)Leben nehmen können. Damit entsteht eine Lust, am Leben teilzunehmen. Eine Lust auf Leben!«

Schreiben: Erinnerungen wecken, alte Werke neu betrachten, ja, es war ein Kampf, ich habe mich kämpfen sehen

»Ich spüre gerade so einen … Respekt vor all dem Vorangegangenen. Ich mag das alles gar nicht bewerten, einordnen, strukturieren, verschlagworten. Vielleicht sind ganze Sätze nicht die Form, um einen Rückblick zu wagen. Versuchen wir es anders.

Es war (ein) Selbstversuch. Ein Tagebuch. Ein Gedankenbuch. Ein Bilderbuch. Fotobuch. Geschichten, die mein Leben schrieben. Gedankenfetzen. Kein Ziel. Keine Garantie. Reine Selbstbeobachtung. Aufschreiben. Herzrasen, Weinen, Verzweifeln, Schweißausbrüche, kalte Hände, Zittern, Schütteln, Lachen, Schmunzeln, Schreien, erschöpft, stolz, unsicher, verlegen, gewählt, prekär, im Dialog, allein, einsam, Mut, viel Mut, Angst, sehnsüchtig, wehmütig, ganz nah, distanziert, alles schwarz, viel weiß, in Ruhe bei mir, kreativ, manchmal sinnlos, es war eine Orientierungssuche, Identitätssuche, ein Identitätsversuch, es war Selbstdisziplin, Prioritätensetzung, Sucht, notwendig, abhängig. Sätze, die mein Leben prägten, Begegnungen, Beziehungen.

(…). Ein Prozess, eine Entwicklung, kleine Erkenntnisse, (…). Es ist schön, manch Episode notiert zu haben. Nicht in Vergessenheit geraten. Es war eine Motivation, dranzubleiben. Selbstreflexion, inneren Stimmen Raum geben, sich Gutes tun, sich annehmen, sich selbst stützen, sich selbst herausziehen, Kraft schöpfen aus sich, die eigenen Stimmungen beobachten, eigene Energieflüsse wahrnehmen, ein kleines literarisches Werk vollbringen. Humorvolle Distanz. Erinnerungen im Schreiben wecken, alte Werke neu betrachten, ja, es war ein Kampf, ich habe mich kämpfen sehen. Außerhalb dieser Zeilen, innerhalb dieser Zeilen. Ich habe gekämpft in meinen Beziehungen. Ich habe in mir gekämpft, mit mir.

(…) Meine Liebe zu den schriftlichen Worten wieder entdeckt, die Wurzeln erkannt, Kontinuität in meinem Ausdruck. Konstanzen erkannt. Bin das ich? Stringenz. Ich schrieb, ich wäre am Kern, da war ich wohl. Das Rauschen aus dem Kopf, wahrnehmen und schätzen der eigenen Gedankenwege. Sich immer wieder selber lesen, nachvollziehen, die eigenen Zeilen genießen. Die Frage nach der Kunst. Die Frage nach dem Selbst-Konzept. Die Frage nach dem Gesamtkonzept. Die Frage der Integration. Die Frage nach dem Ich.«

Innerer Dialog: Wenn ich mich dann mal leergeschrieben habe, dann ist irgendwie Platz für neue Impulse

    » -Erzähl!

    Weißt Du, ich habe die ganzen letzten Tage, ach was, die ganzen letzten Wochen und Monate immer wieder was aufgeschrieben. Erst habe ich mich gezwungen und es gelang nicht. Dann versuchte ich immerhin, meine Stimmung zu notieren. Dann protokollierte ich den Tag. Und es ist nicht so, dass ich das einfach so runterschreibe. Manchmal schon, ja. Aber manchmal sitze ich da stundenlang und schiebe die Gedanken hin und her. Lese noch mal, noch mal, verschiebe die Worte, bis es Sinn ergibt.

    - Und dann?

    Dann geht es mir besser. (Pause.) Wenn ich mir dann mal so richtig viel Zeit genommen habe und alles reingekloppt habe in die Tasten, zärtlich verschoben, bis es passt. Oder, wenn ich auch nur eine kurze handschriftliche Notiz gemacht habe. Dann fühlt es sich komplett an.

    – Was fühlt sich komplett an?

    Der Tag.

    (Pause.)

    – (Nickt.)

    Ich. Ich fühle mich komplett.
    (…)

     – Wir kamen darauf, weil Du von Deiner Reflexion sprachst. Welche Rolle spielt das Schreiben?

    Das tut manchmal so gut, das kannst Du Dir kaum vorstellen! Da kritzel ich mir dann mal Gedanken auf oder ganze Episoden. Kurze Gedankenfetzen oder beinah Romane. Das tut mir richtig gut, weil ich die Gedanken dadurch aus dem Kopf bekomme. Dann wird Platz gemacht. Für Neues. Und es wird eingeordnet, verarbeitet.

     – Genau, das hattest Du schon mal, „Schreiben ordnet ein.“

    Ja, genau.

    – Und „Internes Schreiben tat gut“. Und Du sagtest, es ist eine „Gedächtnisunterstützung“.

    Ja, und es geht noch weiter: Wenn ich mich dann mal leergeschrieben habe, dann ist irgendwie Platz für neue Impulse. Und die kommen dann auch! Und ich lese meine Aufzeichnungen auch hin und wieder. Dadurch bleiben mir manche Dinge bewusst, und manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass manche Dinge irrelevant werden.

    – Irrelevant?

    Ja, so, als wäre ich aus einem Thema rausgewachsen.

    – (Pause.)

    (Pause.) Oder vielleicht einfach: gewachsen. Quasi über mich hinaus. (Lacht.) So als würde es immer weitergehen, mit jedem Satz, mit jeder Zeile, wachse ich ein wenig. Manchmal sieht es aus wie ein Rückschritt, aber in Wirklichkeit ist jeder Rückschritt nur ein Schwungholen zum nächsten Vorwärtsschritt.

    (…)

    "Ich könnte mir vorstellen, dass Du mich als Deinen inneren Teil irgendwann gar nicht mehr brauchst. Aber nicht, weil Du mich nicht mehr brauchst, sondern weil Du mir immer mehr Raum geben wirst. Du wirst mein Gedankengut immer weiter in Dich selbst aufnehmen, sodass dieser innere Teil in Dir größer wird und immer mehr Du."«

    Interview mit mir selbst: Sie sortiert schon lange, trennt jetzt und wird bald neu ordnen

    »„Würden Sie rückblickend Dinge anders machen, weil sie etwas bereuen?“ „Diese `Ich-würde-alles-genauso-wieder-machen-Antwort` halte ich für  Quatsch,“ sagt sie energisch. „Würde ich das behaupten, dann hätte ich mein bisheriges Leben noch nie kritisch betrachtet.“ Was sie jedoch anders machen würde, das sei wiederum eine Frage, die sie sich im Moment nur selbst beantworten will.  Vielleicht hätte sie sich gern früher dagegen gewehrt, dass ihr viele Menschen ihre Sensibilität als Makel angekreidet haben. Seit ihrer Kindheit hört sie den Satz immer wieder: Du bist zu sensibel! (...)

    Vor ein paar Tagen habe sie angefangen „auszumisten“ - eine andere, neue  Ordnung zu schaffen. Seit Wochen verspüre sie den Drang, Dinge loszuwerden. Darunter seien auch schöne Dinge, die aber trotzdem belastend sind, wie etwa ein hübsches Stofftier, das sie seit vielen Jahren besitzt, das ihr aber nichts mehr bedeutet.  „Man muss es ja nicht wegwerfen,“ sagt sie ernst, „vielleicht kann man damit ein Kind glücklich machen.“ (...)

    Ich glaube, sie fängt gerade an zu begreifen, dass sie außerhalb ihres Berufes noch so viel mehr kann und ist.  Sie sortiert schon lange, trennt jetzt und wird bald neu ordnen.  Wir reichen uns vor der Haustür die Hand.  Zum Abschied sagt sie freundlich, aber ernst: „Das Gespräch mit Ihnen wird sicher nicht zu den Dingen gehören, die ich anders machen würde, weil ich es bereue.“ .«