Kapitel 28: Entscheidung - raus

Mein Vater wollte immer das Familienunternehmen unternehmen. Oder musste immer? »Ich bin heute wieder für 200 Familien verantwortlich« war seine Tageslosung. Erst jetzt ist mir klar geworden: Mein Vater hatte sich geirrt. Keinesfalls war er verantwortlich für diese Familien. Doch das Leben lehrte es ihm so.

Sein Vater, mein Großvater, war aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Er war »gefallen«. Der fünfzehnjährige Sohn kümmerte sich in der kleinen Wohnung in der Holländischen Straße um seine Mutter und seinen jüngeren Bruder. Er war nun das »Familienoberhaupt«. Blieb es sein Leben lang. Seine Mutter heiratete nicht wieder.

In seinem Unternehmen war daraus der Patriarch geworden. Der Patriarch, der er nicht sein wollte. Ein Patriarch wider Willen. Er kümmerte sich weiter um die Familie, die immens gewachsen war in der zweiten Generation. Es war ein Unternehmen voller Familien, ein Familienunternehmen.

Viele Gedanken gingen mir damals in seinem Büro durch den Kopf. Mein Vater hatte sich verspätet. Was so gut wie nie vorkam, wenn wir uns verabredeten. In diesen Minuten des Wartens, dem Fensterblick auf ihn und seine Mark-und-Bein-Verantwortungsbereitschaft war sie da: die Entscheidung. Ich konnte nicht bleiben, nach drei Jahren im Unternehmen musste ich gehen. Ich konnte gerade so die Verantwortung für mich selbst übernehmen. Die Welt war so weit, ich musste da raus. Das wusste ich. Intuitiv.